Montag, 18. April 2011

Jerusalem in Bewegung




Himmel und Erde schienen gestern Nachmittag in Bewegung zu sein: Rund 10.000 Menschen - Pilger, Touristen, einheimische Christen - kamen zur traditionellen Palmprozession von Betfage über den Ölberg zur Annakirche.  Allen voran die bunten Pfadfindergruppen mit Fahnen, Trommeln und Dudelsack, zu guter Letzt Franziskaner, Patriarch, Bischöfe und Kustos. Dazwischen eine bunte Menschen-Masse in Volksfeststimmung und jede Menge Kulturunterschiede: die Gruppe Polen mit riesiger Fahne und Hightech-Equipment, die Asiatengruppe, die sich hochgeschlossen mit Schals, Hüten und weissen Handschuhen gegen die Sonne schützt, der arabische Priester in Soutane, der seinen kunstvoll geflochtenen Palmzweig wie einen Tambourstab hin- und herschwingt und im Rhythmus über die Strasse hüpft, die jungen Christen aus Nazareth mit den auffälligen roten T-Shirts, die mit ihrer ungeheuren Energie und den lauten Gesängen Partystimmung verbreiten, die Gruppe deutscher Pilger ein paar Meter weiter vorne, die, andächtig in ihre deutschen Gesangbücher vertieft, im Vergleich zur einheimischen Ausgelassenheit wie Teilnehmer eines Leichenzuges wirken, am Wegrand die kleinen muslimischen Jungs, die findig versuchen Palm- und Olivenzweige oder Eis und gekühlte Getränke unter das schwitzende Volk zu bringen, die Ordensleute, die beim ersten Anblick von Jerusalem anfangen zu tanzen.



Die Länge des Zugs und seine Farbenpracht sind beeindruckend, vor allem als beim Durchqueren des Kidrontals die stattlichen Ausmasse der Prozession sichtbar werden. "Es lebe Palästina", ruft es beim Einzug in die Altstadt irgendwo aus der Menge, während die nachfolgende Gruppe unbeirrt ein Weihnachtslied singt. Alles drängt sich durch die schmale Gasse bis zur Annakirche und dort in den kleinen Garten zum feierlichen Abschluss der Prozession. Mit ein paar herzhaften Anspielungen auf die begrenzte Haltbarkeit der arabischen Herrscher in den Nachbarländern hat ein sichtlich gut gelaunter Patriarch die Lacher der des Arabischen Kundigen auf seiner Seite. Nur die kleinen Pfadfinder wirken ein klein wenig erschöpft, als sie nach Abschluss der Feier noch einmal marschieren dürfen, diesmal entlang der Altstadtmauern.



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