Freitag, 30. November 2012

Palestinian people

"Palestine comes today to the United Nations General Assembly at a time when it is still tending to its wounds and still burying its beloved martyrs of children, women and men who have fallen victim to the latest Israeli aggression, still searching for remnants of life amid the ruins of homes destroyed by Israeli bombs on the Gaza Strip, wiping out entire families, their men, women and children murdered along with their dreams, their hopes, their future and their longing to live an ordinary life and to live in freedom and peace. Palestine comes today to the General Assembly because it believes in peace and because its people, as proven in past days, are in desperate need of it. (…)Palestine comes to you today at a defining moment regionally and internationally, in order to reaffirm its presence and to try to protect the possibilities and the foundations of a just peace that is deeply hoped for in our region. (…)
The Palestinian people, who miraculously recovered from the ashes of Al-Nakba of 1948, which was intended to extinguish their being and to expel them in order to uproot and erase their presence, which was rooted in the depths of their land and depths of history. In those dark days, when hundreds of thousands of Palestinians were torn from their homes and displaced within and outside of their homeland, thrown from their beautiful, embracing, prosperous country to refugee camps in one of the most dreadful campaigns of ethnic cleansing and dispossession in modern history. In those dark days, our people had looked to the United Nations as a beacon of hope and appealed for ending the injustice and for achieving justice and peace, the realization of our rights, and our people still believe in this and continue to wait. (…) The moment has arrived for the world to say clearly: Enough of aggression, settlements and occupation. This is why we are here now. (…) The world is being asked today to answer a specific question that we have offered repeatedly: Is there a surplus people in our region? Tell us. The world must say it. Are we a surplus people, or is there a state which is missing which must be embodied on its land, which is Palestine. The world is being asked to undertake a significant step in the process of rectifying the unprecedented historical injustice inflicted on the Palestinian people since Al-Nakba of 1948."
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas vor der Uno-Abstimmung über die Zuerkennung eines Beobachterstatus für Palästina (29. November)

Israeli people

"Today I stand before you tall and proud because I represent the world's one and only Jewish state. A state built in the Jewish people's ancient homeland, with its eternal capital Jerusalem as its beating heart. We are a nation with deep roots in the past and bright hopes for the future. We are a nation that values idealism, but acts with pragmatism. Israel is a nation that never hesitates to defend itself, but will always extend its hand for peace. Peace is a central value of Israeli society. The bible calls on us: בקש שלום ורדפהו – seek peace and pursue it. Peace fills our art and poetry. It is taught in our schools. It has been the goal of the Israeli people and every Israeli leader since Israel was re-established 64 years ago. (…) As for the rights of Jewish people in this land, I have a simple message for those people gathered in the General Assembly today, no decision by the U.N. can break the 4000-year-old bond between the people of Israel and the land of Israel."
Israels ständiger Repräsentant bei der Uno, Ron Prosor, vor der Uno-Abstimmung über die Zuerkennung eines Beobachterstatus für Palästina (29. November)

Sonntag, 25. November 2012

Psychologische Kriegsführung

Die Bevölkerung von Gaza, reduziert auf kleine bunte Kügelchen, die - je nach Farbe - eliminiert werden, oder eben auch nicht. Wundert es da, wenn statt von Toten und Verletzten nur noch von Kollateralschäden die Rede ist und der menschliche Aspekt vergessen geht ...?

Donnerstag, 22. November 2012

Give me a break!

Feuerpause, Explosion, Terrorist, Rakete und Waffenstillstand: Sag mir, welche Vokabeln Du lernst, und ich sag Dir, wo Du lebst. Statt Geschichten über Kibbuzim und heilige Stätten sind es "Krieg und Frieden", der meine Sprachkurse während mehr als einer Woche bestimmen. Ich kann vielleicht immer noch nicht nach dem Weg fragen oder meine Bestellung beim Fischhändler in einer der Landesprachen über die Lippen bringen, dafür bin ich annähernd gewappnet für die unvermeidlichen Diskussionen über die aktuelle Lage am Gazastreifen... Zugegeben: Wir in Jerusalem leben im Paradies verglichen mit den Bewohnern des Südens, ganz gleich auf welcher Seite der Grenze sie sich befinden. Beide Sirenenalarme hatten irgendwie eher etwas Feuerübungen wie früher in der Schule, und den vielleicht eindrücklichsten Teil machten die ständigen Programmunterbrechnungen im Radio "Alarmstufe Rot in ..." aus ... Und doch, als es am Mittwochabend dann endlich heisst "Hafsaqat-Esh", breitet sich selbst im ruhigen Jerusalem deutlich spürbar entspannte Stimmung aus!

Sonntag, 18. November 2012

Kriegskosten

"The first victim of war, it is rightly said, is truth, but its second casualty is humanity." 
Unerträglich seien der wahllose Hass, die Dämonisierung und der Chauvinismus der letzten Tage, kommentiert der ägyptisch-belgische Autor Khaled Diab für Haaretz (18. November) das Kriegsgeschehen am Gazastreifen

Samstag, 17. November 2012

Schabbes

Es ist eine unwirkliche Szene, die sich auf der Kreuzung der Jerusalemer Ha-Neviim-Strasse - einen Steinwurf von den ultraorthodoxen Stadtviertel auf der einen und vom Hauptgeschäftszentrum auf der anderen Seite entfernt - abspielt. Ein paar Handvoll Ultraorthodoxe diverser Couleurs, viele von ihnen Kinder, wippen vor und zurück, laut ihren monotonen Singsang wiederholend. "Schabbes, Schabbes, Schabbes ..." Vorbeifahrende Autos werden mit Drohgesten und dem anhaltend klagenden Schabbes-Schlachtruf begrüsst, dass es noch auf der benachbarten Jaffa-Strasse zu hören ist. Der eine der herbeigerufenen Polizisten scherzt kumpelhaft mit dem strengreligiösen Nachwuchs, exakte kleine Kopien der Grossen, während Ordnungshüter Nummer Zwei auf der anderen Strassenseite seine liebe Mühe hat, seine Autorität gegenüber den Halbwüchsigen zur Geltung zu bringen. "Wer den Schabat bricht, muss sterben! Wie es geschrieben steht" lautet die ebenso mit viel Pathos und unverkennbar jiddischem Akzent vorgetragene wie ernstgemeinte Warnung der Menge an den sündhaften Passanten, der nichts besseres zu tun hat, als die absurde Szenerie auch noch zu filmen ...
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Freitag, 9. November 2012

Memento mori II

Die "Verurteilung dreier Spione für Israel", lautete dieser Tage eine der Schlagzeilen einer libanesischen Tageszeitung. Dabei erfuhr der aufmerksame Leser, zwei der drei Übeltäter seien zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Das Urteil für den dritten im Bunde, las man ein paar Zeilen weiter, lautete "death in absentia". Tod in Abwesenheit. Der Betroffene hatte Glück im Unglück und war zum Zeitpunkt seiner Verurteilung ausser Reichweite, versteht der geneigte Leser ohne Zweifel. Dennoch eine merkwürdige Formulierung, dieses "death in absentia", was im Übrigen (behauptet das Lexikon) eigentlich einer Toderklärung einer vermissten Person gleichkommt, - und fast möchte man ihr eine nicht uninteressante philosophische Frage anschliessen: Verlangt der Tod Präsenz, um zum Zuge zu kommen?

Mittwoch, 7. November 2012

alles eine Frage der Übung


Tag für Tag ziehen die Franziskaner betend mit ihrer Prozession von der Kapelle der Lateiner einmal um die Apsis der Griechen, hinunter in Richtung Helenas Kapelle, mit einem Abstecher über den Golgotha-Felsen zum Salbstein ... was aussieht wie seit Jahrhunderten selbstverständlich (und es vermutlich auch ist), will für Neuankömmlinge dennoch geübt sein. So geschehen an einem Nachmittag der letzten Woche. Schritt für Schritt erklärt der Erfahrene dem Grabeskirchenliturgienachwuchs, was es zu tun, was zu lassen gilt. Ein paar praktische Übungen, letzte Fragen, und schon ist es Zeit für die tägliche Prozession.
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 (Video: E. Simanor)

Samstag, 3. November 2012

Lauf der Dinge


Sommer oder Winter, egal welche Saison oder Tageszeit. Hussein ist da, Teil des Stadtbildes der Jerusalemer Altstadt sozusagen. Immer ein Lächeln im Gesicht und eine Scherz auf den Lippen, bereit, einen mit seinen Geschichten und Führungen auf eine virtuelle oder reelle Reise mitzunehmen. Wer sich darauf einlässt, den führt er in seine vollgestopften paar Quadratmeter Altstadthaus. 
Bei kräftig süssem Tee gibt es mehr Geschichten aus einem Leben in den historischen Gemäuern. Vieles mutet nach 1001 Nacht, manchmal auch Alladin und die 40 Räuber, und wenig erstaunen würde es, wenn Hussein aus einer der zahlreichen Stapel eine Wunderlampe zöge. "Shabbat Shalom", ruft er einer vorbeieilenden Nachbarin zu, und bringt damit seine Geschichte schmerzhaft knapp auf den Punkt: Er ist der letzte ursprüngliche Bewohner in dem grossen Haus. Rechts, links und über ihm haben jüdische Siedler das Ruder übernommen. Eine Million Dollar habe man ihm für seine alte Werkstatt geboten, sagt Hussein, und im gleichen Atemzug "Für kein Geld der Welt geh ich hier weg!" Seine Familie hat Hussein längst in Silwan installiert, und egal, wieviele seiner Geschichten dem Reich der Fantasie angehören: Mit Hussein wird eines Tages nicht nur ein Altjerusalemer Unikat verschwinden. Sondern auch ein kleines Mosaiksteinchen in der Geschichte der Stadt.

Donnerstag, 1. November 2012

Doppelt gefiltert

Die Strasse zum Bethlehem Checkpoint ist grossräumig gesperrt. Sicherheitskräfte regeln den Verkehr. Es ist das Wochenende vom 27. Oktober, strengreligiöse Juden feiern das jährliche Gedächtnis des Todes "Unserer Mutter Rachel", deren Grab der Tradition zufolge unweit des Checkpoints liegt. Die grünen Egged-Busse werden durchgelassen, ebenso die speziell eingerichteten kleinen Shuttle-Busse. Die weiss-blauen palästinensischen Busse müssen draussen bleiben. Ihre Fahrgäste müssen zu Fuss weiter – nicht aber über die (gesperrte) Strasse, sondern mit einem Umweg über das Gelände des benachbarten ökumenischen Instituts "Tantur". Bergrauf, bergrunter, das letzte Stück über einen kleinen Trampelpfad quer durch einen Olivenhain bis zum Checkpoint. Doch auch an Rachels Grab, inmitten eines schmalen Korridors der israelischen Sperrmauer gelegen, will alles seine Ordnung haben. Während auf der (grösseren) Männerseite Bewegungs- (und Gebets-)Freiheit herrscht, regeln ein Haufen Soldaten auf der beengten Frauenseite den "dichten Verkehr". "Nicht stehen bleiben, ein Verehrungskuss ja, aber dann weitergehen, betet halt draussen, wenn es denn sein muss ..." Zurück zum (grünen) Bus. "Frauen hinten einsteigen, hinten!" Gut, dass grosse Aufkleber an den Fensterscheiben den Fahrgästen versichern, dass freie Platzwahl herrsche und jeder Reisende sich mit Ausnahme der Behindertenplätze überall niederlassen dürfe! Die Guten ins Töpfchen ...

Männer und Frauen

"Nowhere is it written that males need to work. It's good enough if the wife works."
Der Vize-Gesundsheitsminister Yaakov Litzman gibt in einem Interview mit "The Marker" faszinierende Einblicke in die ultraorthodoxe Arbeitsteilung, zitiert nach Haaretz (1. November)