Donnerstag, 18. Dezember 2014

Branding Palestine

"Wir Palästinenser haben die Klischees einfach satt!". Sagt Qais Assali. Zusammen mit einer Gruppe junger deutscher, französischer und palästinensischer Journalisten will der Graphikdesigner das Klischee-Bild von Palästina, wie es in vielen europäischen Köpfen vorherrscht, aktiv ändern. Gleichzeitig sollen Palästinenser selber einen neuen Zugang zur ihrem Land und ihrer Kultur und Tradition erhalten. Das Projekt heisst "www.paltrips.ps", kommt in frischem Design und multimedial daher und ist ein Kind des Französisch-Deutschen Kulturzentrums in Ramallah.
Tulkarem, Qalqilia, Jenin, Nablus, Jericho, Ramallah, Jerusalem, Bethlehem, Hebron und Gaza heissen die zehn Städte, die in Bild, Ton, Schrift und bewegtem Bild vorgestellt werden. Kein herkömmlicher Reiseführer will die neue Webseite sein, eher ein intimer Blick in die (junge) palästinensische Realität. Palästina sei zwar für viele junge und junggebliebene Europäer heute interessant, aber die Menschen kämen mit zahlreichen Klischees und einer Menge Unwissen, meinen die Macher der Seite. "Palästina ist mehr als Beduinen und Wüste, wir wollen die verborgene Schönheit Palästinas zeigen", sagt der palästinensische Journalist und Miterschaffer der neuen Seite, Omar Zeyadeh. Der Konflikt soll dabei nicht aussen vor bleiben, aber es gehe um die "richtige Mischung von Schönheit und Realität".
Nachhilfebedarf herrscht ihrer Ansicht nach aber auch auf palästinensischer Seite. Weil man von der gegenwärtigen Situation so "angewidert" ist, fokussiere man auf Europa – und vergesse das eigene Erbe, formuliert es Teammitglied Jamal Saad. Die "Untergrundgeschichten Palästinas" sind damit auch "eine Botschaft an uns".
"Urbanität", "Nachtleben", "Innovation" heissen die Schlagworte, das "Tagebuch eines Nachmittags in Gaza", "Skating in Qalqilia", "Shawarma Drum'n Bass in Jerusalem" und ähnliches mehr sind die Themen für das neue Bild jenseits der Klischees. "Die Realität Palästinas", glauben die Initianten, "ist das beste Mittel gegen die Klischees".

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